theater morgenstern blog

11. November 2011
von Pascale Senn Koch
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Ein Leben fürs Theater

Freitagnachmittag in Teltow, ein flaches, rotes Gebäude in einem Gewerbegebiet. Der fast fensterlose Bau verströmt den Charme der 70er Jahre. Die Eingangstür steht halb offen, die Flure wirken verlassen. An einer weißen Tür hängt ein einsames Veranstaltungsplakat. Es kündigt die Premiere des neuen Stücks des Kinder- und Jugendtheaters Morgenstern an. Hinter der Tür ein dunkler Vorraum, voll gestellt mit Requisiten und Kulissenteilen. Nur ein schmaler Durchgang gewährt Zugang in den dahinter liegenden Probenraum, der mehr an eine Turnhalle als an ein Theater erinnert.

Hier sitzt Daniel Koch, Gründer und künstlerischer Leiter des Theaters Morgenstern,  unter kaltem Licht aus Neonlampen auf einem weißen Gartenstuhl aus Plastik. Der 54-Jährige mit den silbergrauen Haaren und der randlosen Brille beobachtet das Treiben vor sich. Mitten in dem nüchternen, ungemütlichen Raum stehen die Schauspieler Alex Schmidt (30) und Katrin Jaehne (24) zwischen Bühnenmarkierungen aus Malerkrepp. Er in Trainingshose und derben Stiefeln, sie in langem Rock mit Schürze und Hemdbluse. Die beiden proben eine Szene aus Selma Lagerlöfs „Das Trollkind“, der neusten Produktion des Theaters. Gerade haben sie in der Rolle eines Bauernpaars entdeckt, dass ihr neu geborener Sohn verschwunden ist. An seiner Stelle finden sie ein hässliches Trollkind – verkörpert von einem ausgestopften Jutesack.

Ebenso unfertig wie die Kostüme und die Requisiten ist auch das Bühnenbild. In dieser Umgebung fällt es schwer, sich das fertige Stück vorzustellen. Dabei soll in zwei Wochen, am 22. Oktober, Premiere im Ökodorf Brodowin gefeiert werden. Noch aber besteht die Kulisse aus einem Gerüst, das einmal eine Hütte werden soll, zwei Holzstegen und den Malerkreppstreifen auf dem Fußboden. Mitten in der merkwürdigen Szenerie steht ein Weidenkorb – das Bettchen des Trollkindes. Das spärliche Bühnenbild ist trotz der nahenden Premiere durchaus beabsichtigt. Daniel Koch erklärt: „Mir ist es wichtig, dass die Schauspieler sich ihre Rollen erarbeiten, sie sollen die Situation erspielen.“ Deshalb kommen Requisiten, das fertige Bühnenbild und Kostüme erst ganz zum Schluss zum Einsatz. Bis dahin sollen die Schauspieler allein mit ihrer Phantasie und ihrer Körperlichkeit das Stück zum Leben erwecken. Doch genau daran hapert es im Moment.

Den Abläufen der Szenen fehlt noch der Schwung, es wird herumprobiert. Seit sieben Wochen laufen die Proben, an diesem Tag ist die Gruppe schon seit dem Morgen bei der Arbeit. Die Proben sind anstrengend, verlangen vollste Konzentration und die Ansprüche des Regisseurs sind hoch. Es geht nur mühsam voran und allmählich zeigen alle Nerven. Katrin Jaehne probiert eine Szene, die das Team gerade umgestellt hat. Sie soll die Alltagssorgen der Bäuerin verdeutlichen. „Hast du den Text drauf?“, fragt Koch, Ungeduld schwingt in seiner Stimme mit, während die junge Schauspielerin noch überlegt, wie sie die neue Szene am besten beginnen soll. „Soll ich soufflieren?“, fragt ihr Kollege Selim Cinar, der dritte Schauspieler im Bunde. „Ich will doch gerade machen“, fährt sie ihn, aus der Konzentration gerissen, an. Dann beginnt sie zu spielen. Am Ende ihrer Darbietung ist Koch nicht zufrieden. „Du musst die Handlung vorantreiben. Diese Szene ist der absolute Schmerz, aber du musst ins Handeln kommen, sonst nimmt dir das niemand ab“, lautet die Kritik.

Es sind große Gefühle, die der Regisseur von seinen Schauspielern in Gesten und Bewegungen übersetzt sehen will, damit auch Kinder sie verstehen können. In der Geschichte um das Trollkind geht es um Verantwortung, Liebe und Menschlichkeit. Es geht um eine Mutter, die ihr eigenes Kind verliert und an seiner Statt gegen alle Widerstände ein Wechselbalg groß zieht. Es geht um einen Vater, der sein Kind verliert, der das Trollkind hasst und am Ende seine Frau deswegen verlässt. Es geht um die Hinterhältigkeit, mit der die Dorfbewohner gegen die Bauersfrau und das Trollkind intrigieren.  Daniel Koch hat genaue Vorstellungen, wie das Stück am Ende aussehen soll. „In der Vorbereitung liest man ein Stück intensiv und dabei kristallisiert sich die Geschichte heraus, die man erzählen will. Man lässt Bilder dazu entstehen“, sagt er. Und genau diese Bilder will Koch jetzt sehen.

Der letzte Durchgang des Tages: die Schauspieler reißen sich noch einmal zusammen, spielen die umgestellten Szenen erneut. Doch irgendwie ist der Wurm drin, die gewünschten Bilder wollen einfach nicht sichtbar werden. Daniel Koch ist die Unzufriedenheit immer deutlicher anzumerken. Mit überschlagenem Bein, verschränkten Armen und regungsloser Miene sitzt er auf seinem Plastikstuhl. „Ihr sollt nicht nur den Text aufsagen und euch von einer Stelle zur anderen bewegen. Ihr müsst die Situation begreifen“, setzt er dann zur Standpauke an. „Es sind starke Emotionen, die ihr rüberbringen müsst. So wie ihr es jetzt macht, ist es langweilig, es ist alles ein Tempo. So interessiert das keinen Mensch. Ihr spielt die Szenen in die Ecke, die Situation wird nicht erspielt. Es kommt nur Text, seit Tagen geht das jetzt so“, schimpft Koch, bevor er die drei in den Feierabend entlässt.

Koch ist ein Theatermensch durch und durch. Sein Theater gründete er vor 17 Jahren gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Pascale Senn Koch. Das Theater ist ein Familienbetrieb, es ist Leidenschaft und Existenzgrundlage zugleich. Das Paar hat drei Töchter, der Erfolgsdruck ist groß. „Wir können es uns nicht leisten, eine Produktion in den Sand zu setzen“, sagt Pascale Senn Koch, „wenn es mal nicht so gut läuft, hat man gleich die Existenzangst im Nacken.“ Eine Produktion kann leicht bis zu 20000 Euro kosten. Was sie tut, wenn es am Theater mal nicht so rund läuft? „Hoffen und beten. Man versucht eben verzweifelt einen neuen Ansatz zu finden“, sagt die 46-Jährige  und lacht. Sie unterstützt ihren Mann bei der Leitung des Theaters, kümmert sich viel um Organisatorisches. In ihr Team, das erst seit Kurzem in der Besetzung zusammenspielt, hat sie Vertrauen. Sie weiß: Auch Schauspieler sind nur Menschen, die sich mit Alltagssorgen herumplagen, aber wenn es darauf ankommt, geben sie ihr Bestes.

Auch ihr Mann ist sich sicher, dass der Knoten beim „Trollkind“ schon noch platzen wird. Jetzt sitzt er in der Küche seines Hauses und gönnt sich eine Tasse Kaffee. Der Ärger über die Probe verraucht. „Vielleicht“, überlegt er, „kam der Ärger gerade zum richtigen Zeitpunkt. Die größte Entwicklung passiert immer erst kurz vor der Premiere. Wir könnten jetzt noch ein Jahr proben und es würde sich erst etwas ändern, wenn es darum geht, das Stück auch tatsächlich aufzuführen.“ Sagt es, lehnt sich zurück und nippt entspannt an seinem Kaffee.

Anna Maria Weiss
Volontärin der Nordwest Zeitung Oldenburg

 

1. Juli 2011
von Bettina Karl
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SOS – theater morgenstern braucht ein neues Domizil!

Kennen Sie das? Man hat sich gerade an etwas gewöhnt. Alles ist vertraut und läuft gut. Da passiert etwas Unvorhersehbares. Und schon heißt es: aufhören! Gegenwehr ist zwecklos.

Genauso ergeht es derzeit theater morgenstern. Seit 13 Jahren, jeweils von Dezember bis ins Frühjahr hinein, führt es im Rathaus Friedenau Theaterstücke auf. Die Zuschauer, insbesondere Schulklassen, strömen zu Hauff in die Aufführungen. Die Veranstaltungen sind fast immer ausverkauft. Man kennt sich inzwischen: die Mitglieder des Theaters und die Lehrerinnen, Lehrer, Schülerinnen, Schüler und auch die Abgeordneten des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg mit ihren Familien, die die Vorstellungen gern besuchen, darunter auch Prominenz wie Baustadtrat Bernd Krömer. Dabei ist der ehrwürdige Schlesiensaal im Rathaus ein nahezu idealer Platz für Aufführungen von „Das kalte Herz“, nach Wilhelm Hauff, Goethes „Farbenlehre“ oder „Ein Weihnachtlied“ nach Oliver Twist.

Doch ab 2013 wird es anders. Dann ist Schluss, finito, aus und vorbei! Rathaus Friedenau am Breslauer Platz wird verkauft! Es ist schlichtweg zu teuer. Der Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg muss sparen. Er kann sich nur noch zwei von drei Rathäusern
leisten. Der Verkauf des Rathauses ist bereits seit einem Jahr ausgeschrieben. Doch noch ist nichts entschieden. Etwas tröstend ist die Tatsache, dass  der Vertrag zwischen dem Bezirk und dem theater morgenstern noch bis Ende 2012 läuft. So ist es möglich, in diesem Jahr zu Weihnachten das Stück „Das Trollkind“ eine schöne, lehrreiche Geschichte über eine Bäuerin, die anstatt ihres eigenen Kindes ein Trollkind aufzieht und darum von ihren Mitmenschen verachtet wird, zu spielen. Und auch für das nächste Jahr planen die Initiatoren Pascal Senn und Daniel Koch eine neue Vorstellung. Im Frühling, Sommer und Herbst werden sie sich, wie jedes Jahr, auf Theaterausflüge ins Berliner Umland begeben. Aber dann stellt sich die Frage: Wohin zu Weihnachten. Auf welcher Bühne treten sie im Winter auf?

Wer brauchbare Ideen hat, her damit! Theater morgenstern sucht einen Saal mit Platz für 300 bis 500 Zuschauer, einer annehmbaren Akustik, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist und außerdem nicht viel kostet.

Hinweise an: Tel.03329/697350, E-Mail: info@theater-morgenstern.de

 

16. Juni 2011
von Daniel Koch
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Endlich: Proudly presents

Hallo und herzlich willkommen im Blog des theater morgenstern

Endlich startet heute unser Blog. Stolz schreiben wir unsere ersten Texte. Diesen feierlichen Augenblick möchten wir nutzen, um uns, bzw. den Blog kurz vorzustellen.

Sinn und Zweck unseres Blogs ist es, mit unserem Publikum ins Gespräch zu kommen. Wir möchten über die Dinge, die uns bei der Theaterarbeit wichtig sind, mit möglichst vielen Lesern – und hoffentlich auch Theaterbesuchern – in einen Austausch kommen. Der theater morgenstern-Blog soll als Plattform dienen, um über alles, was bei uns passiert, was uns – und auch unsere Zuschauer -  bewegt und interessiert, zu kommunizieren.

Als erstes berichten wir über die Veranstaltungen auf der Familienfarm Lubars. Sodann erzählen wir, warum das Baba Dango Trio auf unserem Sommerfest spielt. Weitere Beiträge werden sich sicherlich mit dem Verkauf des Rathauses Friedenau, mit dem Verlust unserer Spielstätte im ‘Schlesiensaal’ und mit dem Bildungspaket beschäftigen. Theater und Handwerk? Texte, Hintergründe, die uns zu unseren Projekttagen und Theaterexpeditionen motivieren, möchten wir genauso mit Ihnen teilen, wie wir aus der Probenarbeit berichten wollen, um so den Entstehungsprozess eines Stückes transparent zu machen.

Wir sind gespannt auf die Reaktionen, Meinungen und Anregungen unserer Leserinnen und Leser!

Und wir freuen uns auf eine inspirierende Kommunikation.

LOS GEHT’S!

Bettina Karl, Pascale Senn Koch, Daniel Koch

 

11. Juni 2011
von Bettina Karl
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Theaterspaß auf dem Bauernhof

„Bauernleben“ mit Petterson, Findus und Caruso auf der Familienfarm Lübars

Zwar schieben sich immer wieder graue Regenwolken über den Himmel. Aber am Ende siegt die Sonne doch. Allerdings hätte ein kühler Schauer die rund 250 Kinder kaum irritiert. Aufgeregt laufen die Schüler aus Grundschulen im Wedding und dem Märkischen Viertel auf dem Hof der Familienfarm Lübars umher. Überall gibt es etwas zu entdecken: Kaninchen, Schafe, Ziegen, eine Backstube und Gärten mit Blumen und Kräutern.

Es ist bereits 15 Minuten nach 10 Uhr als Daniel Koch, Regisseur des theaters morgenstern, vor der Bühne steht, die Zuschauer herzlich begrüßt und die Lehrerinnen ermahnt, mit ihren Schülern auf den extra für das Stück „Findus und der Hahn im Korb“ drapierten Strohballen Platz zu nehmen. Und auch sitzen zu bleiben. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn alle wollen endlich Petterson, Findus und den Hahn Caruso sehen. Und da geht es auch schon los: Kater Findus, der bisher allein mit „seinen“ Hühnern beim alten Petterson lebt und ein sonniges Dasein führt, ist von dem neuen Mitbewohner, dem Hahn Caruso, wenig begeistert. Besonders sein lautes Krähen geht ihm gehörig auf die Nerven. Das führt zu einigen Auseinandersetzungen zwischen den Beiden.

Die Schauspieler Selim Çinar und Alex Schmidt verstehen es großartig, abwechselnd die drei Figuren auf originelle und komische Art darzustellen sowie die Kinder einzubeziehen. Es wird viel gelacht und manchmal sind die jungen Zuschauer so begeistert, dass sie aufspringen, die eine oder andere Gestalt spontan anfeuern oder einfach über die lustigen Streiche laut kichern. Die Freude steckt an. Nach einer dreiviertel Stunde ist der 1. Teil des Stücks nach Sven Nordqvist vorbei und Caruso… –  aber das wird nicht verraten! Am Ende gibt es tollen Applaus.

Jetzt haben die Kinder Zeit, an Kursen auf dem Bauernhof teilzunehmen. Es wird Brot gebacken, gefilzt, Schafwolle gesponnen, Körbe geflochten oder aus Birkenreisig Besen gebunden. Geduldig beantworten dabei die Kunst- und Museumspädagogen die vielen Fragen der Kinder, bevor es mit dem zweiten Teil des Theaterstücks über Petterson, Findus und dem Hahn Caruso weiter geht.

Geeignet ist das Projekt „Bauernleben“ für Kinder ab 6 Jahren, Schulklassen sind herzlich willkommen. Gespielt wird noch vom 8. bis 27. Juni (immer wochentags),

von 10 Uhr bis 14.30 Uhr, auf der Familienfarm Lübars, Alte Fasanerie 10, 13469 Berlin-Reinickendorf. Karten unter Tel. 03329/69350 oder www.theater-morgenstern.de


 

10. Juni 2011
von Daniel Koch
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Paul Schwingenschlögl mit dem Ibrahim Baba Dango Trio – kraftvoll tönt es über das Land

Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten gibt es, wenn das Ibrahim Baba Dango Trio zum Sommerfest des theater morgenstern aufspielt: Paul Schwingenschlögl. Paul spielte in unserer Theaterproduktion “Parzival” vor rund 10 Jahren die Trompete. Mit seinem unverwechselbaren Jazzton brachte er die mittelalterlichen Lieder in den Räumen des Klosters Chorin und auch im Schachtofen in Rüdersdorf zum klingen. Auf  unserem Sommerfest tritt er zusammen mit Ibrahim BaBa Dango und Arsene Cimbar auf.

Ibrahim Baba Dango ist in Ghana aufgewachsen und hat, so scheint es, den Bass und Rhythmus des ganzen Kontinents verinnerlicht. Durch seine Ausstrahlung und Bühnenpräsenz schafft er es mühelos, das Publikum in Bann zu ziehen und zum Tanzen und Mitsingen zu animieren. An seiner Seite Arsene Cimbar aus Guadeloupe, der die Djembe, eine besonders in Westafrika sehr verbreitete Trommel, spielt und der seit vielen Jahren mit Baba Dango und anderen afrikanischen Bands auftritt. Den melodischen Part in diesem Trio übernimmt Paul Schwingenschlögl. Durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Baba Dango versteht er es gekonnt auf die Gesangsparts von Baba Dango musikalisch zu antworten.

Wir freuen uns auf pulsierende afrikanische Rhythmen, die Paul hoffentlich zu ausgedehnten Jazzimprovisationen beflügeln – frei nach einem Satz aus unserem Theaterstück “Findus und der Hahn im Korb”: “kraftvoll tönt es über das Land”

Das Sommerfest beginnt am 25. Juni um 18.00

Familienfarm Lübars, Alte Fasanerie 10, 13469 Berlin-Reinickendorf. Karten unter Tel. 03329/69350 oder www.theater-morgenstern.de