24.11.09
der Weg zu einem bewegten und bewegenden Schauspiel
Ohne Geld, ohne einen einzigen Scheinwerfer, ohne festen Proben- und Spielort aber mir viel Glück und Elan begannen wir 1994 mit unserer Theaterarbeit. Theater für Kinder wollten wir machen, sie innerlich bewegen, Träume wecken. Am 11. September 1994 fand unsere erste Premiere statt. Dank der guten Publikumsresonanz gelang es uns, Bühnenbild, Kostüme, Technik und Raummiete zu bezahlen. Das machte uns Mut, an eine weitere Inszenierung zu denken.
Eine ganze Weile zogen wir nun durch die Jugendkulturhäuser, bauten morgens um 6 Uhr auf, im Anschluss an die Vorstellung wieder ab, transportierten unsere Kulissen mit einem Leihauto und verteilten unsere Spielpläne von Schule zu Schule mit dem Fahrrad. Schließlich konnten wir uns eine eigene Lichtanlage leisten sowie einen Gebrauchtwagen samt Anhänger, was uns ermöglichte, auch Tourneen nach Süddeutschland und in die Schweiz durchzuführen. Am öftesten auf Reisen gingen wir mit „Ein Weihnachtslied“ nach Charles Dickens, welches wir zum ersten Mal 1997 spielten. Manches Mal fuhren wir bei Glatteis und im tiefen Schnee durch den Schwarzwald, hoffend und betend, dass wir rechtzeitig und heil wieder in Berlin ankommen mögen, um die weiteren Vorstellungen spielen zu können. 1998 schließlich spielten wir zum ersten Mal im Schlesiensaal des Rathauses Friedenau, welches uns über die weiteren Jahre zu einer festen Heimat werden sollte.
Für die warme Jahreszeit entwickelten wir schon früh die Idee unserer Theaterausflüge. 1996 spielten wir zum ersten Mal im Kloster Chorin. Es folgten Kooperationen mit dem Freilichtmuseum Altranft, dem Museumspark in Rüdersdorf, der Domäne Dahlem und dem Natur-Park Schöneberger Südgelände. Viele uns noch heute treue Lehrerinnen und Lehrer haben die Pionierzeit unserer Ausflüge mitgemacht, mit ihren Kindern wie die Sardinen in der Rüdersdorfer Strassenbahn gestanden, alle Schienenersatzverkehrslaunen der Deutschen Bundesbahn mit Fassung ertragen und eine während der Theatervorstellung in unmittelbarer Nähe stattfindende Explosion einer alten Fabrik überlebt.
In den Jahren 1999, 2003 und 2005 kamen unsere drei Töchter zur Welt, welche das Theaterleben nochmals gründlich umkrempelten. Gleichzeitig bildete sich eine Kontinuität in der Zusammenarbeit mit Schauspielern, mit Kostüm- und Bühnenbildnern und einem Lichttechniker heraus, so dass der Schwerpunkt nun ganz auf der qualitativen Profilierung der Theaterarbeit liegen konnte. Ein Schauspiel, das die Zuschauer bewegt, das sie mit Hilfe der Sprache ergreift und das eine Atmosphäre schafft, welche ihnen das Eintauchen in fremde Geschichten ermöglicht, das sind Ziele, die wir auch heute noch verfolgen.
Alles in unserem Theater ist „live“ - wir verzichten weitestgehend auf alle technischen Effekte. Wir zeigen reines Schauspiel im wahrsten Sinne des Wortes.
Seit 2008 arbeiten wir mit Kunst- und Theaterpädagoginnen und -pädagogen zusammen, welche zu den Inszenierungen Vor- und Nachbereitungsstunden sowie Projekte in den Schulen durchführen und somit zur Vertiefung des Theatererlebnisses beitragen. Zudem haben wir inzwischen zu allen unseren Stücken Vorbereitungsmaterialien für den schulischen Unterricht entwickelt, so dass der Theaterbesuch in einen größeren Kontext eingebunden werden kann und hinsichtlich der kulturellen Bildung der Schülerinnen und Schüler ein dringend zu beachtendes Ereignis darstellt!
Unser 15jähriges Jubiläum begehen wir am 29.11. mit dem Stück „Ein Weihnachtslied“ nach Charles Dickens, welches wir so oft gespielt haben, wie kein anderes sonst - ca. 300 Mal.
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